Eine Familie


  1. Ø 0
   2010
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Eine Familie Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Eine Familie: Warmherziges Drama über eine junge dänische Galeristin, die sich zwischen Karriere und Familie entscheiden muss.

Ditte, aufstrebende Galeristin, und Vater Rikard sind das Herz der Patchwork-Familie Rheinwald. Der Familienpatriarch ist in zweiter Ehe glücklich verheiratet und betreibt eine traditionsreiche Bäckerei. Da bekommt Ditte in New York einen Traumjob angeboten und wird schwanger von ihrem Künstler-Freund. Doch mitten in ihrer Entscheidungsfindung wird Rikard sterbenskrank. Seine Frau braucht nicht nur Unterstützung bei der häuslichen Pflege, sondern Rikard erwartet, dass Ditte sein Unternehmen weiterführt.

Als ein Patriarch sterbenskrank wird, soll seine Frau die Bäckerei der Familie weiterführen. Authentische, emotionale Geschichte einer modernen Patchworkfamilie von Pernille Fischer Christensen (prämiert für „En Soap“).

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Kritikerrezensionen

  • Selbstverwirklichung und Familienpflichten kommen sich noch immer leicht in die Quere und fordern Entscheidungen, die ein ganzes Leben verändern können. In dem dänischen Drama „Eine Familie“ von Pernille Fischer Christensen ist es die junge Frau in der Hauptrolle gewohnt, über ihr Leben selbst zu bestimmen. Doch dann drängen mit dem nahen Tod ihres Vaters ungebeten Leid, Verzicht und die Auseinandersetzung mit der Familie in ihren Alltag. Der stille, nachdenkliche und mit guten Schauspielern besetzte Film bekam auf der Berlinale 2010 den FIPRESCI-Preis des Verbands der internationalen Filmkritik.

    Ditte, einfühlsam und vielseitig gespielt von Lene Maria Christensen, und ihr Lebensgefährte Peter strahlen, als sie erfahren, dass Ditte schwanger ist. Sie hätten das Kind auch sicher gerne bekommen, gäbe es nicht gerade jetzt dieses tolle Jobangebot aus New York, das mit vielen Reisen für die Galeristin verbunden ist. Peter überlässt ihr die Entscheidung für oder gegen das Kind allein, weil er ein moderner Mann ist und die Freiheit der Frau respektiert. Die steile Sorgenfalte auf seiner Stirn ist nach der Abtreibung höchstens ein bisschen tiefer als sonst. Und für Ditte ist es selbstverständlich, dass sie auch weiter allein über den Umzug nach New York entscheidet, schließlich ist es ihr Jobangebot.

    Aber Peters Verständnis endet, als Ditte die so schwer getroffene Wahl für New York wegen ihres Vaters doch noch rückgängig macht. Auf einmal, im Lauf von zwei oder drei Wortwechseln, fährt die glückliche Beziehung an eine Wand, die wie aus dem Nichts aufgetaucht ist. In dieser nachdenklichen Geschichte halten die Worte oft nicht Schritt mit der Pflicht der Figuren, auf äußere Ereignisse zu reagieren. Ditte blafft Peter nur wütend an, was für ein Mensch er eigentlich sei. Auf einmal tut sich ein Abgrund auf, der ihn zum Außenstehenden macht. Dass Ditte sogar mit dem Gedanken spielt, dem Vater zuliebe die Bäckerei zu übernehmen, kann offenbar nur verstehen, wer zur Familie gehört und wie sie mit den Erzählungen über den aus Deutschland mit einem Sack Korn eingewanderten Urgroßvater aufgewachsen ist.

    Der drahtige Vater, wunderbar gespielt von Jesper Christensen, ist mit Leib und Seele Bäcker. Auf seiner Hochzeitsfeier wenige Tage vor dem Krankheitsausbruch schwelgt er in Metaphern für das Leben, die aus der Gastronomie stammen. Und in seiner wütenden Einsamkeit im Krankenhaus zerdrückt er verächtlich das Frühstücksbrötchen, das offenbar nicht aus dem eigenen Laden stammt. Von Krämpfen, Schmerzen und Bitterkeit geplagt, will Rikard Rheinwald seine letzten Tage zuhause verbringen, aber die frischgetraute Ehefrau und langjährige Lebensgefährtin möchte, dass er in ein Hospiz kommt. Auch hier tut sich ein Abgrund auf: Er akzeptiert sie plötzlich nicht als eine Rheinwald, sie ist nicht bereit, sein Siechtum zu ertragen.

    Ditte sorgt dafür, dass der Vater doch noch nach Hause kommen darf. In eindringlichen, weitgehend stummen und doch sehr emotionalen Szenen zeigt das Drama, wie sein Sterben die ganze Familie in Mitleidenschaft zieht. Am Krankenbett geraten die Beziehungen der Ehefrau und der vier Kinder zu Rikard und untereinander in Bewegung, müssen noch offene Rechnungen beglichen und die Positionen zurechtgerückt werden. Frühere Generationen, die es noch gewohnt waren, die Eltern bis zur letzten Stunde zu pflegen, würden sich wahrscheinlich wundern, wie schwer sich die Filmcharaktere mit dieser so natürlichen Sache tun, wie sehr wir uns inzwischen anstrengen, den Tod auf Abstand zu halten.

    Fazit: Bewegendes, nachdenkliches Familiendrama um eine junge Frau, deren Lebensplanung von der Krankheit ihres Vaters durchkreuzt wird.
  • Emotional aufgeladene Geschichte einer Großfamilie zwischen Tradition und Moderne, Generationenkonflikt, Selbstverwirklichung und Verantwortung.

    Wenn es um das Thema Familie und die Nähe von Liebe und Leid geht, spielt das skandinavische Kino souverän seine Stärken aus. Es muss ja nicht immer so düster zugehen wie in Thomas Vinterbergs „Das Fest“. Am Anfang Kinderfotos, Erinnerung an eine unbeschwerte Zeit, die beim Zuschauer Assoziationen an die eigene Kindheit wecken. Unbeschwert und fröhlich feiert auch der Patriarch der dänischen Bäckerdynastie Rheinwald (Super-Performance: Jesper Christensen) die Hochzeit mit seiner langjährigen zweiten Lebensgefährtin. Die zwei gemeinsamen Kinder feiern ausgelassen mit den beiden älteren Töchtern aus erster Ehe, eine funktionierende Patchwork-Familie. Die ältere Ditte steht vor einem neuen Lebensabschnitt, mit ihrem Freund will sie von Kopenhagen nach New York ziehen, es lockt ein Super-Angebot als Kuratorin einer Galerie. Zwei Ereignisse reißen sie aus ihren Träumen – sie ist schwanger und ihr Vater sterbenskrank. Soll sie ihren persönlichen Wünschen folgen oder dem Druck des Vaters, den renommierten Bäckereibetrieb zu übernehmen, nachgeben, der Pflicht gehorchen oder ihren eigenen Weg gehen? Was macht die Familie heute eigentlich noch aus?

    Mit großer Intensität und noch größerem Gefühl ohne das kleinste Quäntchen Kitsch nähert sich Pernille Fischer Christensen diesen Fragen und dem wunden Punkt, der Entscheidung zwischen Familientreue und Individualität. Auch wenn „Eine Familie“ kein Dogma-Film ist, spielt er auf der Klaviatur von Dogma, nicht nur durch die große Nähe zu den immer glaubhaften Figuren, sondern auch durch ähnliche Ansätze in der unmanipulierten Bildästhetik. Gedreht wurde größtenteils an Originalschauplätzen, die Umgebung wurde so gefilmt, wie sie war, egal ob bei Regen oder Sonne, Musik bleibt meistens ausgeblendet und die schnelle Handkamera lässt auch Unschärfen zu, das scheinbar Provisorische gibt dem leisen Drama einen ganz speziellen Touch. Tod und Trauer, bis hin zur Totenwäsche – nichts wird ausgespart. Und irgendwann fließen befreiende Tränen ganz ohne Kitsch. Weinen kann schön sein. mk.

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