Shadow Dancer


  1. Ø 0
   2012
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Shadow Dancer Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Shadow Dancer: Nordirlanddrama von James Marsh über eine Mutter, die sich zwischen Loyalität und ihrer Familie entscheiden muss.

Seitdem ihr kleiner Bruder einst von britischen Sicherheitskräften getötet wurde, weiß Colette um die Schrecken des Nordirlandkonflikts. Inzwischen ist Colette selbst Mutter und hat den Kampf gegen die ungeliebten Besatzer noch immer nicht aufgegeben. Bei dem Versuch, eine Bombe in einem Londoner U-Bahnhof zu platzieren, wird Colette verhaftet. Ein britischer Geheimdienstoffizier stellt sie vor die Wahl: Entweder die Familie ausspionieren und ihren kleinen Sohn wiedersehen oder schweigen und lebenslang ins Gefängnis wandern.

Eine junge Mutter in Nordirland muss sich zwischen Loyalität und ihrer Familie entscheiden. Nordirlanddthriller von James Marsh, der seine Stars Clive Owen und Andrea Riseborough zu Hochform auflaufen lässt.

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Kritikerrezensionen

  • Regisseur James Marsh entwickelt mit "Shadow Dancer" einen unglaublich dichten und ungeheuer spannenden Psychothriller, der im Herzen einer finsteren IRA-Familie spielt. Der Film basiert auf einer Buchvorlage von Tom Bradby, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist. Die Geschichte beginnt im Jahr 1973 und erzählt von dem Werden des Kommenden: Inmitten des brodelnden Nordirlands landen die englischen Truppen, und ein kleiner Junge wird zum unschuldigen Opfer. Direkt und übergangslos springt die Handlung 20 Jahre später: Eine junge Frau wird verfolgen und verhaftet. Ohne zu wissen, was genau geschieht, ist der Zuschauer bereits mittendrin.

    Die junge irische Mutter Collette mit radikalem IRA-Hintergrund wird von Andrea Riseborough dargestellt, die mit ihrer steten Präsenz das Rückgrat des Films bildet. Mac als MI5-Offizier wiederum, gespielt von Clive Owen, versucht sie lockend, drohend, erpressend und bestechend als Spitzel zu gewinnen. Das Duell zwischen den beiden im Verhörraum ist ein inszenatorisches Meisterstück, wenn Mac zielstrebig und zugleich mit (echter oder vorgetäuschter) Einfühlsamkeit sein Verhör führt und Collette vorsichtig, störrisch und klug konternd.

    Zwischen Mac und Collette baut sich ein Dilemma auf, das Marsh in voller dramatischer Wucht entwickelt. Einerseits Kevin Mulville als psychopathischer Ausputzer der IRA mit ständigem Argwohn gesegnet, andererseits die obligatorischen Mittwochstreffen am Kai mit Mac, dem sie Informationen schuldet. Währenddessen gehen die Aktionen der IRA und die konterkarierenden Strategien des MI5 weiter. Der Film zeigt den IRA-Konflikt aus der Perspektive von Collette und stellt Mac zur Seite, der einerseits Erfolge mit seiner V-Frau erzielen muss, andererseits unter fürsorglicher Verantwortung für sie steht, drittens aber von den eigenen Leuten aus dem großen Ganzen herausgehalten wird.

    James Marshs Thriller gelingt es Emotion und Suspense zu einer Einheit zu verbinden, sich gegenseitig verstärken und den Zuschauer zu packen: seine Charaktere sind nicht bloße Marionetten an den Fäden des Plots und seine Handlung nicht bloße plakative Didaktik um Terrorursachen und -wirkungen. Nein: Sein Film transzendiert die Wirklichkeit, um ein authentisches, aber durchweg filmisch, also dramaturgisch verdichtetes Spiel zu treiben um Ideale und Verrat, um Krieg, Frieden, Familie, um vergangenes und künftiges Leid. Ein Doppelspiel zwischen zwei Seiten, die beide Recht und Unrecht zugleich haben; und das nur Verlierer kennen kann.

    Fazit: James Marshs gelingt es mit seinem Psychothriller "Shadow Dancer" das Doppelspiel aus IRA und Geheimdienst in ein dichtes Drama voll Emotion und Spannung zu packen, die den Zuschauer von der ersten an fesselt.
  • Intensives Drama um eine IRA-Aktivistin, die sich nach einem missglückten Attentat entscheiden muss zwischen Verrat oder einem Leben in Freiheit mit ihrem Sohn.

    Fast nur noch Straßenschlachten bei den traditionellen Oraniermärschen erinnern jährlich an den blutigen Bürgerkrieg in Nordirland. Erst 2007 legte die IRA offiziell die Waffen nieder. Renommierte Filmemacher wie Jim Sheridan („Im Namen des Vaters“, „Der Boxer“), Neil Jordan („The Crying Game“, „Michael Collins“) oder „Ken Loach („The Wind that Shakes the Barley“) thematisierten nicht nur die Vorgeschichte des Jahrzehnte dauernden Konflikts, sondern auch die Hochzeit des Terrors vor allem in den 1970er Jahren, oder – wie Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ – das individuelle Spannungsfeld zwischen Versöhnung und Rache 30 Jahre später.

    Sehr persönlich aus der Perspektive einer jungen Frau ist die Herangehensweise von James Marsh, der den Bogen zieht von 1973, wo das Kind erlebt, wie ihr Bruder von einem britischen Soldaten tödlich getroffen wird, bis zum Jahre 1993. Colette McVeigh ist inzwischen Mitte 20 und gehört zu den wenigen IRA-Aktivisten, die trotz Friedensverhandlungen nicht aufgeben. Nach der Platzierung einer Bombe in der Londoner U-Bahn wird sie festgenommen. Ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI5 stellt sie vor die Wahl, entweder im Gefängnis zu landen und ihren kleinen Sohn nicht aufwachsen zu sehen, oder als Informantin zu arbeiten. Verzweifelt geht sie auf den Deal ein und bringt nicht nur sich in große Gefahr.

    In tristen Grautönen (Kamera: Rob Hardy), die das Seelenleben der Protagonisten spiegeln und die Stimmung in Nordirland, zeichnet Marsh die Hoffnungslosigkeit der Menschen im Teufelskreis der Gewalt, die Verselbständigung eines sinnlosen Kampfes. „Shadow Dancer“ zieht seine Kraft aus den überragenden Darstellern: Andrea Riseborough spielt die spröde IRA-Attentäterin in großer Ambivalenz, als Täterin und Opfer zugleich hat sie gelernt, ihre Gefühle zu kontrollieren, ihre traurige Augen verfolgen den Zuschauer noch nach Ende des Films. Clive Owen als ihr MI5-Gegenpart darf da schon mehr Emotionen zeigen. Der Dokumentarfilm-Oscarpreisträger („Man on a Wire“), der schon in der „Red Riding“-Trilogie Stilsicherheit bewies, verlangt zwar einige Vorkenntnisse in diesem visuell beeindruckenden und psychologisch spannenden Thriller, ist aber in seiner Fragestellung nach Ursache und Folge von Gewalt universell und mehr als aktuell. mk.

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